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Mittwoch, 6. Mai 2009

Europarat erklärt der katholischen Kirche den Krieg

"Die Religionen müssen alle Tolleriret werden und mus der fiscal mehr das Auge darauf haben das keine der andern abbruch Tue, den hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden."

Nein, Krokowski hat nicht die Rechtschreibung verlernt. Krokowski zitiert lediglich den Alten Fritz, der obigen Satz 1740 als Randverfügung niedergeschrieben hatte. Generell hält es Krokowski auch mit dieser Maxime, doch kann sie sich heute freilich nicht enthalten, ein wenig über christliche Fundamentalisten zu spotten, auch wenn diese natürlich Spott von allen Seiten einheimsen und folglich Krokowskis Spott nicht bedürften.

Von Google Ätz Ads geleitet, kam Krokowski auf die Seite der "Aktion Kinder in Gefahr" (an sich kannte Krokowski solche Seiten nur aus dem amerikanischen Raum, beispielsweise aus Massachusetts), die vor den Gefährdungen der Kinder durch Bravo, Verhütung und Homosexualität warnen will. Krokowski durfte dort ferner lesen, der Europarat habe der katholischen Kirche den Krieg erklärt, da der Europarat festgestellt habe, daß die Religionsfreiheit nicht unbeschränkt sei. Folgendes hat der Europarat in seiner Recommendation (!) 1804 verabschiedet: "Such freedom [Freedom of Religion; Anmerkung v. Krokowski] is not unlimited, however: a religion whose doctrine or practice ran counter to other fundamental rights would be unacceptable. In any case, the restrictions that can be placed on such freedom are those that “are prescribed by law and are necessary in a democratic society in the interests of public safety, for the protection of public order, health or morals, or for the protection of the rights and freedoms of others” (Article 9.2 of the Convention). 17. Nor may states allow the dissemination of religious principles which, if put into practice, would violate human rights."
Daß die Religionsfreiheit in der Tat nicht ganz uneingeschränkt ist, kann einem eigentlich schon jeder Jurastudent und jede Jurastudentin im zweiten Semester erklären. Falls diese Einsicht jedoch eine Kriegserklärung darstellt, freut sich Krokowski schon auf die nächsten Kriege. Sonderlich blutig wären die nämlich bestimmt nicht.

Für die "Aktion Kinder in Gefahr" freilich beginnt damit "die Guillotine zu fallen", sie schreibt folgendes: "Die neue Charta [Die EU-Grundrechtcharta, die bislang unverbindlich ist und nichts mit dem Europarat zu tun hat; Anmerkung von Krokowski] sieht auch das Recht vor, zu heiraten und eine Familie zu gründen, ohne sich festzulegen, daß es sich um einen Mann und eine Frau handeln muß, wodurch die Homosexuellen berechtigt sein werden, zu heiraten und Kinder zu adoptieren, um so mehr als sie keine Diskriminierung zu erwarten haben wegen des Rechtes auf freie sexuelle Orientierung. Weiter gibt es das Recht der Eltern, ihre Kinder zu erziehen – [...] [Oh nein! Seit wann? Wieso? Wo bleibt die Pflicht zum "Du hast uns Herr gerufen"-singen im Kindergottesdienst?; Anmerkung von Krokowski]. Dann ist da noch die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau „in allen Bereichen“ einschließlich der Religion, was die katholische Kirche den Feministen zu verdanken hat".[Mensch, das hat ja lang gedauert, bis die Fundamentalisten den FeministINNEN danken, aber besser spät als nie; Anmerkung von Krokowski]

Jaja, wir haben genug gehört von der "Aktion Kinder in Gefahr" in diesem Kontext. "Diskriminierung" scheint das Lieblingswort der "Aktion Kinder in Gefahr" zu sein; es taucht bevorzugt im Kontext mit Homosexualität auf, beispielsweise im obigen Text oder hier oder dort. Die Argumentation ist dabei folgende: Gott hat uns den freien Willen gegeben. Deshalb können sich Homosexuelle dafür entscheiden, "auch eine christliche Ehe mit einem Menschen des anderen Geschlechts einzugehen"; vergleichbar mit demjenigen, "der Diät macht" und "durchaus dazu imstande [ist], auch wenn er permanent Hunger verspürt." Wird dem entgegengehalten, daß Homosexuelle wohl meist keine Ehe mit einem andersgeschlechtlichen Menschen eingehen wollen, wird ihnen nach Ansicht der "Aktion Kinder in Gefahr" der freie Wille aberkannt.

An dieser Argumentation findet Krokowski einiges sehr amüsant: zuerst natürlich die Rede vom freien Willen, der in der ganz eigenen Logik der Fundamentalisten dazu da ist, über alle Abgründe zu den Zwängen und Dogmen nicht der Kirche, sondern der Fundamentalismus zu tragen. Für die "Aktion Kinder in Gefahr" ist der freie Wille freilich eine Einbahnstraße, denn folgende Argumentation ist wohl kaum schlagkräftig: "Aktion Kinder in Gefahr", betätigt euren freien Willen (und die Nächstenliebe), übt euch in Toleranz! Wie, ihr könnt nicht, das ist gegen eure Überzeugungen? Habt ihr keinen freien Willen?

Aber zur Nächstenliebe, denn am amüsantesten ist ohnehin die Aufforderung an die Homosexuellen, die christliche Ehe einzugehen. Schwule, Lesben, auf in die christliche Ehe!! Und keine Angst, denn da soll ja nach Ansicht der katholischen Kirche ohnehin nichts Sexuelles stattfinden, höchstens zur Nachkommenserzeugung. Und die müsste die "Aktion Kinder in Gefahr" dann ja wieder schützen. Man sollte ihr nicht zu viel zumuten.

Donnerstag, 23. April 2009

Kurzrezension zum FAZ-Comic "Archetyp"

Über weite Strecken von Wogen des Königschen Einfallsreichtums getragen, strandete der Archetyp am Ende in seichten Gewässern.

Mittwoch, 4. Februar 2009

"Papst wäscht Hände in Unschuld"

Tagesschau.de!

Soeben durfte Krokowski hier Deinen Bericht lesen, nach dem der Papst bezüglich der Holocaust-Leugnung des Bischof Williamson seine Hände in Unschuld wasche. "Der Papst habe von Williamsons Schoah-Erklärung nichts gewusst, hieß es weiter."


Nun ist es ja bekannt, daß sämtliche Deutschen während des Dritten Reichs nichts, aber auch gar nichts von Konzentrationslagern und Judenverfolgungen gewusst haben. Aber darum soll es nicht gehen. Viel interessanter findet Krokowski das Bild, das Tagesschau.de in ihrem Artikel verwendet: Der Papst wäscht seine Hände in Unschuld. Dunkel erinnert sich Krokowski, daß da doch schonmal was war, mit einem Römer, der seine Hände in Unschuld gewaschen hatte und einem Juden, der anschließend dran glauben mußte; gekreuzigt, gestorben und begraben undsoweiter. Möchte tagesschau.de Krokowski jetzt gar sagen, daß Benedetto_16, der Deutschen liebster Römer, Mitschuld trage an der Judenverfolgung? Und in echt gar nicht Joseph Ratzinger, sondern ganz unbayerisch Pontius Pilatus heißt?

Fände das doch etwas radikal für die öffentlich-rechtlichen,
Krokowski

Montag, 17. September 2007

Am Stammtisch mit Konvertiten

Krokowski hört sie schon, die Schreie der Entrüstung, die überall aus der Republik von allen Stammtischen mit der Untermalung durch Bierglasswerfen zu ihr schallen. Ist es gar schon wieder so weit, tönt das an Krokowski vorbeifliegende Bierglas, daß wir Karl Martell 2.o brauchen, wenn der Islam nun schon Einzug in die Trutzburg deutscher Identität schlechthin hält, und nun in Urdeutschgemütlichkeit atmenden Dorfwirtshäuser anzutreffen ist, die bis dato zumeist unter Namen wie "Zur Eiche", "Zum Hirschen" und "Zur schwarz-braunen Haselnuss" firmierten? Doch schließlich muß auch das in seiner österreichischen Variante so gerne von Thomas Bernhard besungene Gasthaus mit der Zeit gehen, findet Krokowski und besucht folgendes, nur wenige Kilometer von der Loreley entfernt liegende Prachtexemplar in der Namensgebung:

Das freut den Konvertiten und besonders den "Terror-Fritz" (Quelle: Verlag Axel Springer), denn so hat er sich das Paradies vorgestellt. Schnitzel, Sauerbraten und Cordon Bleu gibt es auch noch zu den Jungfrauen dazu - schöner könnte es nicht sein.

Wie? "Sieben Jungfrauen" hat einen ganz anderen Ursprung? Keine Selbstmord-Alis friedlich vereint mit Terror-Fritzen am Stammtisch bei Pfeffersteak, Bier und Jungfrau? Schade.

Dienstag, 31. Juli 2007

Obst stehlen

... schade. Immerhin verzeichnet der hier bereits erwähnte Sündenrechner das Stehlen von Früchten doch unter den "Kleinen Sünden zu Discountpreisen" und berechnet lediglich den Schnäppchenpreis von 4,99 Euro. Hätte das doch nur jemand Eva erzählt.

Donnerstag, 26. Juli 2007

+ + + Schaumburger Nachrichtenticker + + +

Die Nachrichtenagentur AP vermeldet, daß Papst Benedikt16 nicht nur mit zwei Sekretären in seiner Wohnung im Apostolischen Palast lebe, sondern daß dieser Wohngemeinschaft auch vier Frauen aus der Ordensgemeinschaft der Mormonen der Memores angehören. Dabei lege der Papst ein hohes Arbeitstempo an den Tag, so daß für gemeinsame Fernsehabende nur wenig Zeit bliebe. Krokowski wußte doch, daß es der alte Bock faustdick hinter den Ohren hat. Von wegen "Monogamie mit Maria". Der Sündenrechner veranschlagt dies übrigens mit läppischen 200 Euro.

Montag, 2. Juli 2007

Eilmeldung: Bildung schuld an allem

Endlich wissen wir es: Die Bildung ist schuld an allem (Italiener als Fußball-Weltmeister, Müntefering, Arbeitslosigkeit)! Letzteres demonstriert eindrucksvoll die untenstehende Graphik "Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Bildung", die auf der Seite www.brainworker.ch zu finden ist.
Weiterhin ist dort folgendes zu lesen: "Je höher die Arbeitslosigkeit, desto mehr Bildung (erhöhte Konkurrenz um eine beschränkte Anzahl Arbeitsplätze) - oder umgekehrt - je höher das Bildungsniveau, desto höher die Arbeitslosigkeit (höhere Ansprüche). Das Selbe lässt sich auch für Zürich-Stadt zeigen, die gleichzeitig die höchste Dichte an Akademikern aufweist (25.2% gegenüber 11.7%, dem Durchschnitt der Schweiz), aber auch eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenquote (s. Graphik u). Der positive Bildungseffekt wird also durch den negativen Stadteffekt (erhöhte Anspruchshaltung, geringere soziale Kontrolle) mehr als aufgehoben ... und auf dem Land haben Akademiker eh kein Brot."

Was soll Krokowski daraus schließen? Mehr RTL II anschauen, um die Arbeitslosenquote durch kollektive Verdummung und Hirnversengung zu senken? Oder doch wieder zu bewährten Mitteln (Bücherverbrennung) schreiten (Krokowski empfiehlt insbesondere die Verbrennung von "Mit Robin wurde alles anders" und "Mehr als nur ein guter Freund")?

Zumindest eine Sache ist sicher: "Klimaerwärmung, Erdbeben, Wirbelstürme und andere Naturkatastrophen sind ein direkter Effekt der seit dem 19. Jahrhundert sinkenden Anzahl der Piraten." Sehr schön ist dies auch an untenstehender Graphik zu erkennen.


Was also ist das Fazit? Der Bildung abschwörender Pirat zu werden schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe.

Montag, 25. Juni 2007

Tod eines Insekts

Heute nach dem Aufstehen sah Krokowski eine Stechmücke die Wand zieren; sie saß dort ganz friedlich, doch Krokowski ist nachtragend und erinnerte sich an die Musik, die die Stechmücke in der Nacht gefühlte drei Millimeter neben Krokowskis Ohr mit ihren Flügeln fabriziert hatte.
Krokowski hatte diese Musik nicht überaus geschätzt und beschloß deshalb, das Insekt tot zu schlagen. Aus diesem Grund griff sie nach einem der herumliegenden Bücher und pirschte sich lautlos an die Stechmücke heran, um diese in einem gezielten Überraschungsangriff zu überwältigen. Langsam, langsam kam Krokowski näher - noch näher - bewege Dich langsam, Krokowski, und produziere keinen Lufthauch, sonst ist Dein Jagdglück, das Dir nun so nahe erscheint, daß Du schon fast die Hand zum Greifen ausstrecken zu können glaubst, dahin.
Krokowski hielt die Luft an, zog die Schultern hoch um den Kopf tiefer auf den Rumpf zu drücken, den Rücken leicht wie zum Sprung bereit gekrümmt; sie holt mit dem rechten Arm aus - und - JETZT!! Krokowski schlägt zu. Das Buch sauste auf die noch immer reglose Mücke herab, deren Eingeweide wie ihr restlicher Körper ohne weiteren Widerstand zerbarsten. Der mit dem in der Nacht erbeuteten Blut gefüllte Magen des Insekts erbrach sich auf Krokowskis Jagdinstrument, und über das Buch zog sich eine lange, dunkelrote Blutspur. Den Titel des blutverschmierten Buches gewahrte Krokowskis erst jetzt im Blutrausch des heimtückischen Sieges, als ihr Blick auf die Lettern des Titels fiel, wo folgendes geschrieben stand: "no death no fear - comforting wisdom for life"

Montag, 11. Juni 2007

Das schreibt Jan Böhmermann

... der Medienstar mit ganz viel Herz:

"B-Kehrt

Fazit: als Kirchentagsanlieger UND Mensch bin ich seit Ende der orangenen “God-Parade” in Köln (Rhein) ganz fest davon überzeugt, dass gelebter, gefeierter und gesungener Protestantismus die Wurzel allen Übels ist."

Das schreibt Krokowski:
Krokowski ist geschädigt von Kindergottesdiensterinnerungen, die sämtlich gefühlte 35 Strophen Tonleitern in Form von "Duuu hast uns Herrrr geruuuuuuuuufen und daaaarum sind wir hiiiier", und ebensoviele des abgenudelten "Komm Herr segne uns" beinhalten und schließt sich an den protestantischen Kirchenliedsdichterguru Gerhardt an, der einst schrieb: Nun laßt uns gehn und treten.


Samstag, 9. Juni 2007

Krokowski drischt Phrasen












...Geiz, auch bekannt als avaritia, ist bekanntermaßen eine der sieben Todsünden nach dem katholischen Glauben. Eindrucksvoll dargestellt hat das Hieronymus Bosch, in der tiefbayerischen schwarzkatholischen Grundschulerziehung wird dies dagegen meist beiseite gelassen, denn ansonsten würde eventuell beim Genuß von Tomatensuppe, die traditionellerweise aus Wasser in einem roten Teller besteht, die ein oder andere Frage aus unschuldigem Kindermunde aufkommen. Im tiefen Bayern wird der Fokus also eher auf luxuria und gula gelegt, Wollust und Völlerei.

Doch zurück zum Geiz. Gefolgt von einem medialen Aufschrei und genereller Verdammung rief einst die Elektrokette Saturn ihren Werbeslogan "Geiz ist geil!" aus und weckte damit nicht nur in Krokowski zahlreiche Assoziationen.
Geier sind geil, geifern ist geil, geigen ist geil, Geigenzählerbauen ist geil, Geiseldramen sind geil, geißeln ist geil und zu guter letzt eine offenkundige Wahrheit: Geist ist geil.












Ähnlich funktioniert das Ganze auch mit anderen beliebigen Adjektiven wie beispielsweise schön, nett, zuwider, schräg, unempfindlich, hirnverbrannt oder vernichtend. Ein Blick in das Wörterbuch Ihres Vertrauens genügt zum Phrasendreschen.
Krokowski drischt munter vor sich hin: schockieren ist schön, Schokoriegel machen schön, Schöffengerichte sind schön, scheffeln ist schön, Schonbezüge sind schön, schonen ist schön, Schönheitschrirurgie macht schön, Schonkost ist schön, sein Schopf ist schön, Schöpfkellen sind schön, Schornsteine sind schön, Schößlinge sind schön.

Saturn hat sich nun entschlossen, wieder hinaus aufs Feld der Phrasen zu gehen. "Geiz ist geil" ist abgedroschen, finden nicht nur die Meinungsmacher der Süddeutschen Zeitung. Viel Erfolg beim Dreschen wünscht Krokowski. Aber seien Sie nicht allzu enttäuscht, wenn am Ende wieder nur das üblich Hohle dabei herauskommt. Der beste Slogan ist ohnehin bereits als Marke von Colorwaschmittel und Spülmaschinensalz anzutreffen. Und manchmal braucht das Hirn ja auch Pause.